Datum: 05/03/12

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Honorar oder Provision – das ist hier die Frage?!

Honorar oder Provision oder ein Hybridmodell für die Beratungsvergütung?
Die Zukunft von Maklern und Vermittlern von Finanzdienstleistungen steht unter dem Aspekt “Vergütung” möglicherweise an einem Scheideweg. Und damit kann sich in Anlehnung an Shakespeares Hamlet für einige auch die Frage von Sein oder Nichtsein stellen. Denn Gesetzgeber, Bundestagsfraktionen und politische EU-Institutionen in Brüssel diskutieren derzeit sowohl eine gesetzliche Regelung der Honorarberatung als auch die Zukunft des Provisionsmodells.

Doch hier soll nicht dramatisiert werden, sondern Fakten aufgezeigt, verschiedene Szenarien beleuchtet und wichtige Dokumente, Eckpunkte oder Positionen dargestellt werden: EU- und deutschlandweit.

Dafür haben wir für Sie recherchiert und präsentieren Ihnen in drei Teilen ausgewählte Informationen, Positionen und Entwicklungen. Wir möchten einfach mehr Transparenz in eine anhaltende Debatte bringen und Ihnen anbieten, sich selbst ein Bild zu machen. Ganz besonders interessieren uns natürlich Ihre Meinung und Ihre Erfahrungen. Bitte nutzen Sie dafür gerne unsere Kommentarfunktion.

Teil 1: Die Situation in Deutschland
Der erste Teil präsentiert Ihnen heute einen Überblick über die aktuelle Situation und geplante Schritte in Deutschland.

Teil 2: Der Blick nach Europa
Dieser Teil präsentiert Ihnen einen Blick auf die europaweite Situation sowie geplante Maßnahmen und bietet Informationen zu kommenden Regelungen und Richtlinien.

Teil 3: Verschiedene Positionen in Deutschland
Abschließend finden Sie hier im Swiss Life PartnerBlog ausgewählte Standpunkte von Regierung, den Parteien sowie von Vermittlerverbänden, Honorarbefürwortern und der Presse zum Thema.

 

Grafik zur dreiteiligen Serie

— TEIL 1 —

Honorarberatung wird gefördert, Provisionen werden hinterfragt.

In Reaktion auf die Finanzkrise, kritische Medienberichte und infolge anhaltender Diskussion über eine provisionsorientierte Vermittlung in der Versicherungsbranche sind viele Verbraucher verunsichert. Dazu kommen einfachere Vergleichsmöglichkeiten sowie umfassende Informationen, Empfehlungen oder Kritiken in Foren und Chats auf zahlreichen Internetportalen. Kunden werden kritischer und schauen auch bei den Kosten für ihre Versicherungen genauer hin.

Doch auch Aufsichtsbehörden wie das BaFin, im Bundestag vertretene Parteien und der Gesetzgeber werden – nicht zuletzt aufgrund eines von der EU geforderten verbesserten Verbraucherschutzes – zunehmend aktiv. Dabei soll sowohl das Berufsbild Honorarberater gestärkt als auch herkömmliche Provisionsmodelle auf den Prüfstand gestellt bzw. durch konkrete Maßnahmen reguliert werden.

Aktuelle Zahlen der Honorarberatung in Deutschland.

In Deutschland arbeiten auf Honorarbasis derzeit etwa 1.700 Honorarberater; dazu kommen noch circa 180 Versicherungsberater, die nach § 34 e GewO auch Versicherungen vermitteln, aber dafür kein Geld vom Produktgeber annehmen dürfen. (Angaben/Quelle: versicherungsbote.de, Stand 10/2011)

Was derzeit geplant ist bzw. kommt.

Derzeit stehen insbesondere Provisionen aus der Vermittlung von privaten Krankenversicherungen (PKV) und von Lebensversicherungen im Fokus. Diese sollen gedeckelt und im Vertrieb von Lebensversicherern eine längere Stornohaftung eingeführt werden. Private Krankenversicherer dürfen künftig nur noch maximal 3,3 Prozent der Bruttobeitragssumme des vermittelten Vertrags als Provision gewähren. Diese Deckelung entspricht circa einer durchschnittlichen Abschlussprovision von neun Monatsbeiträgen, wie Experten errechneten. In der Spitze wurde bisher wesentlich mehr gezahlt.

Im Zuge des “Gesetzes zur Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrechts” wird ab April 2012 die neue Regelung zur Provisionsdeckelung in Kraft treten. Zusätzlich soll eine Stornohaftungszeit von fünf Jahren Versicherungswechsel verhindern, die – aus Verbraucherschutzsicht – scheinbar lediglich Vermittlerinteressen dienen. Ein einkommensbedingter Wechsel von privater in die gesetzliche Versicherung soll davon aber ausgeschlossen sein.

Analog zu Versicherungsvermittlern dürften bald auch die rund 80.000 freien Finanzvermittler verpflichtet werden, Provisionen offen zu legen sowie auch einen Sachkunde-Nachweis und eine Berufshaftpflicht-Versicherung vorweisen.

Unklar ist noch, ob und wie weit sich derartige Regelungen auf in Banken angestellte und tätige Berater auswirken wird. Da diese als “Produktvermittler” nicht unter der Aufsicht von Gewerbeämtern stehen, sondern über die Banken von der BaFin kontrolliert werden, wird noch nach entsprechenden einheitlichen Lösungsansätzen gesucht.

Autor: Anke Seeger, WebOffice Redaktion

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1 Kommentar zu „Honorar oder Provision – das ist hier die Frage?!“

  1. Peter Horwarth schreibt:

    In meiner Sachagentur wird es schwer werden, Honorare für Schadenmeldungen, Kfz-Anträge oder Beitragsvergleich durchzusetzen. Was hindert den Kunden daran, alles direkt über den Versicherer oder ein Portal abzurufen?
    Meine Kunden scheinen nicht bereit, für meine Dienstleistungen zu bezahlen. Dies scheint auch die Erfahrung der Kollegen in Skandinavien zu sein. Nach meinen Informationen ist der Makler in Dänemark nahezu ausgestorben

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